Es ist nicht weniger als eine kleine Sensation: Der Bundestag finanziert die weltweit größte Computerspiele-Sammlung. USK und Computerspielemuseum werden zusammengelegt.

In Deutschland soll die größte Sammlung für Computer- und Videospiele entstehen, die die Welt je gesehen hat. Das hat der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages beschlossen und wird die dafür nötigen Mittel ab Mitte 2017 bereitstellen. Die zuständigen Berichterstatter Johannes Kahrs (SPD) und Rüdiger Kruse (CDU) betonen den „weltweit einzigartigen Bestand“ und wollen das Projekt zu einem „international beachteten Leuchtturm für das Kulturgut Computerspiele machen.“

Der Deutsche Bundestag unterstreiche damit die „große Bedeutung der Bewahrung dieses kulturellen Erbes auch mit Blick auf den Wissenschafts- und Wirtschaftsstandort Deutschland.“

Iniitiert wurde das Projekt von Computerspielemuseum-Direktor Andreas Lange, USK- und bald BIU-Chef Felix Falk, Michael Liebe (DIGAREC, Games Week Berlin) und Peter Tscherne, dem Geschäftsführer der Stiftung Digitale Spielekultur.

Update vom 18. November 2016: Auf Anfrage von GamesWirtschaft haben sowohl der Haushaltsausschuss als auch die Bundesbeauftragte für Kultur und Medien im Kanzleramt das finanzielle Engagement konkretisiert. Demnach fließen in den kommenden beiden Jahren fast 400.000 Euro in die „Internationale Computerspiele-Sammlung Berlin-Brandenburg“ (so der offizielle Titel).

In den Archiven des Berliner Computerspielemuseums schlummern über 25.000 Datenträger (Foto: CSM Berlin)
In den Archiven des Berliner Computerspielemuseums schlummern über 25.000 Datenträger (Foto: CSM Berlin)

Computerspiele-Sammlung: Bestände von Computerspielemuseum und USK werden zusammengelegt

Die künftige Sammlung wird aus mehr als 50.000 Computer- und Videospielen bestehen. Dazu werden die Bestände an Hard- und Software mehrerer Institutionen an einem Ort zusammengelegt. Dies betrifft folgende Sammlungen:

Allein das Computerspielemuseum Berlin verfügt über einen Bestand von 25.000 Datenträgern, 120 Konsolen und Computersystemen und über 12.000 Zeitschriften.

Die Organisation und Koordination liegt bei der Stiftung Digitale Spielekultur, die unter anderem auch die Durchführung des Deutschen Computerspielpreises steuert.

Das Projekt läuft in zwei Phasen ab: Zunächst wird 2017 eine gemeinsame Datenbank angelegt, die auch öffentlich zugänglich sein soll. In Phase 2 heißt es Kisten-Packen: Alle Exponate werden an einem Ort zusammengeführt. Als Standort ist unter anderem die Alte Münze im Gespräch, einst eine Prägeanstalt für D-Mark und Euro und heute eine Event-Location. Das Gebäude unweit des Roten Rathauses befindet sich in direkter Nachbarschaft zur berühmten Museumsinsel mit Pergamon-Museum und Nationalgalerie.

Das Archiv der USK beherbergt 20.000 Greatest und Not-so-greatest Hits seit 1994.
Das Archiv der USK beherbergt 20.000 Greatest und Not-so-greatest Hits seit 1994.

Computerspiele-Sammlungen: eine nationale Aufgabe

Das kulturelle Erbe von Literatur und Film zu bewahren – das ist in vielen Ländern die Aufgabe der Nationalbibliotheken. In einigen europäischen Ländern, etwa in Dänemark, Schweden oder in Frankreich, haben diese Institutionen einen gesetzlichen Auftrag, der auch Computerspiele umfasst. Aus diesen Gründen gehört etwa die Dänische Nationalbibliothek ebenso wie das Deutsche Computerspielemuseum zu den Mitgliedern des EFGAMP, der „European Federation of Game-Archives, Museums and Preservation Projects“.

In Deutschland gibt es neben dem Berliner Computerspielemuseum noch weitere bedeutsame Sammlungen, etwa das „Haus der Computerspiele“ in Leipzig, dessen Exponate auf Festivals und Messen wie der Gamescom ausgestellt werden.

Das Computerspielemuseum gehört zu den meistbesuchten Berliner Museen (Foto: CSM)
Das Computerspielemuseum gehört zu den meistbesuchten Berliner Museen (Foto: CSM)
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