Prädikat „Besonders wertvoll“: Mit ihrem Auftritt beim BIU-Sommerfest sendet die Kultur-Behörde von Monika Grütters zarte Signale der Annährung an die Games-Branche.

Jahrelang durfte sich Bernd Neumann die schlechte Presse für die Anlaufschwierigkeiten des Deutschen Computerspielpreis abholen. Seine Nachfolgerin Monika Grütters war erst wenige Monate als Bundesbeauftragte für Kultur und Medien (BKM) im Amt, da wurde die Auszeichnung auch schon in die vertrauensvollen Hände von Verkehrsminister Alexander Dobrindt gelegt, der seitdem alljährlich den Preis verleiht – und inzwischen fast so etwas wie Spaß an dieser Aufgabe gefunden hat.

All das ist nun drei Jahre her. Seit dieser Zeit fremdelt die Kultur-Abteilung im Kanzleramt erkennbar mit der Games-Branche. Grütters‘ 230köpfige Behörde ist für Film und Fernsehen, Literatur, Musik, Design, Presse, Opernhäuser, Gedenkstätten, Museen und die hohe Kunst zuständig, nicht aber für die verwandte Computerspiel-Zunft.

Eine Abgrenzung, die der Kulturgutbeauftragten bislang nicht völlig ungelegen kam: Die Hausherrin fühlt sich auf den roten Teppichen von Berlinale und Filmpreis wohler als auf der blauen Auslegeware jenes Computerspielpreises, den sie vor fast elf Jahren selbst mit beantragt hatte. Zuletzt ließ sich Grütters für die deutliche Aufstockung der Filmförderung feiern.

Kultursstaatsministerin Grütters beim BIU-Sommerfest: Zarte Annäherung an die Branche

In den vergangenen Monaten gab es nun wieder Anzeichen der vorsichtigen Annäherung. So hat der Bundestag die Einrichtung der „Internationalen Computerspielesammlung Berlin-Brandenburg“ beschlossen. Die mehr als 50.000 Exponate aus den Beständen von Computerspielemuseum und der USK werden die weltweit größte Kollektion ihrer Art bilden. Kostenpunkt: immerhin 400.000 Euro.

Vorläufiger Höhepunkt der bilateralen Beziehungen: Grütters‘ Grußwort beim traditionellen BIU-Sommerfest. Der Branchenverband hatte am Donnerstag vor Pfingsten mehr als 300 Gäste in die Kalkscheune direkt neben dem Friedrichsstadtpalast eingeladen. Neben BIU-Mitgliedern, Entwicklern, Journalisten und Vertretern befreundeter Verbände sah man auch etliche Bundestagsabgeordnete und Senatsmitglieder an Weißwein-Gläsern nippen.

Erstmals seit der Staffelübergabe durch Maximilian Schenk eröffnete Felix Falk als neuer BIU-Geschäftsführer das Sommerfest.

Monika Grütters: Games-Branche gehört zur „Avantgarde digitaler Innovationen“

Der Auftritt der Politikerin hat hohe symbolische Bedeutung: Wenn Grütters spricht, redet nicht nur die Kulturstaatsministerin und damit eine Vertreterin der Bundesregierung, sondern gleichzeitig die Landesvorsitzende der Berliner CDU und zudem ein Mitglied des CDU-Präsidiums, dem zahlreiche Bundesminister und Ministerpräsidenten angehören.

Gerade deshalb hofften die Zuhörer auf ein kraftvolles Signal mit Blick auf eine Games-Förderung, die inzwischen Eingang gefunden hat in mehrere Wahlprogramme zur Bundestagswahl 2017. Von ihren Referenten bekam Grütters eine Reihe von Spiele-Reminiszenzen in die Rede geschrieben – ohne die obligatorische Erwähnung von „Tetris“ wäre eine solche Ansprache schlichtweg nicht komplett.

Die Gamesbranche gehöre „mittlerweile zur Avantgarde für digitale Innovationen“, so die Kulturstaatsministerin – und man fragt sich, wie es die Vokabel „mittlerweile“ in diesen Satz schaffen konnte. Jedenfalls habe die Bundesregierung nicht nur die kulturelle Dimension virtueller Welten auf dem Schirm, auch die „Unterstützung ihrer Schöpferinnen und Schöpfer“ sei dem Kabinett ein großes Anliegen. Und dazu zähle nun mal auch die Förderung der entsprechenden wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

BIU-Sommerfest: Warten auf das F-Wort

„Förderung“ – da war es, das ersehnte Stichwort. Wenn alles nach Plan läuft für das gastgebende Team von BIU-Geschäftsführer Felix Falk und Vorstandssprecher Tobias Haar, dann findet sich eine entsprechende Formulierung auch im noch ausstehenden CDU-Wahlprogramm.

Noch vor dem Gang zur Grillstation ließ sich Grütters von Computerspielemuseum-Direktor Andreas Lange über die nächsten Schritte der Spielesammlung aufklären – ehe man ihr eine Oculus-Rift-Brille umschnallte und zwei Controller in die Hand drückte. Spätestens jetzt konnte man davon sprechen, dass Frau Staatsministerin die virtuellen Welten buchstäblich auf dem Schirm hatte.

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