Start Marketing & PR Der unheimliche Erfolg von „Playerunknown’s Battlegrounds“

Der unheimliche Erfolg von „Playerunknown’s Battlegrounds“

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Mit "Playerunknown's Battlegrounds" gelang Bluehole der Steam-Hit des Jahres.

Ein 30-Euro-Spiel regiert die Steam-Charts: Der Überraschungs-Hit „Playerunknown’s Battlegrounds“ (PUBG) eilt von Rekord zu Rekord.

Wenn die Marktforscher der GfK regelmäßig die meistverkauften Spiele des Landes ausweisen, fliegt ein Spiel komplett unter dem Radar: „Playerunknown’s Battlegrounds“. Denn den Online-Shooter kann man weder im Media Markt um die Ecke erwerben noch bei Amazon bestellen.

Das Spiel ist noch nicht mal „fertig“ – trotzdem waren seit März 2017 schon mehr als zehn Millionen Steam-Kunden bereit, 30 Euro zu überweisen. „Steam Early Access“ nennt sich das Prozedere, das dazu dient, Spiele einem kommerziellem Stresstest zu unterziehen. Das Feedback der Spieler hilft den Entwicklern bei der Optimierung des dann – hoffentlich fertigen – Spiels. Manche Titel befinden sich jahrelang in diesem Limbo.

Bei „PlayerUnknown’s Battlegrounds“ (kurz: PUBG) soll das nicht passieren: Für Ende des Jahres 2017 ist der offizielle Startschuss geplant – neben der PC- soll es auch eine Xbox-One-Version geben, die zwar als „Konsolen-exklusiv“ etikettiert wird, aber eine PlayStation-4-Fassung zu einem geringfügig späteren Zeitpunkt keinesfalls ausschließt.

Playerunknown’s Battlegrounds knackt 10-Millionen-Stück-Marke

Bereits jetzt loggen sich rund eine Million Spieler täglich ein – Deutschland ist nach den USA und China der drittgrößte PUBG-Markt. Laut Auswertungen der Analyse-Website Steamspy gilt PUBG nach dem Free2play-Strategiespiel „Dota 2“ und dem Dauerbrenner „Counter-Strike: Global Offensive“ als derzeit meistgespieltes PC-Spiel auf Steam. Mittlerweile hat PUBG sogar die Verkaufszahlen der – deutlich teureren – PC-Version von „Grand Theft 5“ überflügelt.

Spielidee und -prinzip von PUBG sind von frappierender Schlichtheit: 100 Spieler landen via Fallschirm auf einer Insel – wer als letzter überlebt, gewinnt. „Battle Royale“ nennt sich das Subgenre.

Waffen, Rüstung und Munition findet man zum Beispiel in Häusern, die daher meist als erstes durchkämmt werden. Je nachdem, wie schnell man Pistolen, Flinten, MGs oder Granaten findet und wie geschickt man sich damit anstellt, desto größer sind die Überlebens-Chancen. Die Spiele enden für die Spieler mal nach wenigen Sekunden, mal nach 10 Minuten, mal sind sie erst nach einer halben Stunde vorbei. Clevere Mechanismen verhindern, dass sich Teilnehmer nicht einfach hinter einem Felsen verschanzen und die Spielzeit abwarten.

Die Grafik ist im Genre-Vergleich ordentlich, aber nicht überwältigend – allerdings hat dies auch schon bei „Counter-Strike“ keinen großen Geist gestört. Bislang waren noch nicht einmal Funktionen integriert, um auf Kisten oder Fahrzeuge zu klettern oder formvollendet aus einem Fenster zu hüpfen. Derweil arbeitet das Entwickler-Team rund um Spieldesigner Brendan Greene zudem an zwei weiteren Karten, an zusätzlichen Waffen, neuen Spielmodi und wechselnden Wetterbedingungen.

PUBG-Entwickler sind „schockiert“ vom enormen Erfolg des Spiels

Am meisten überrascht, ja geradezu „schockiert“ von der irren PUBG-Nachfrage sind die Entwickler selbst. Denn vorherzusehen war der enorme kommerzielle Erfolg kaum – „Playerunknown’s Battlegrounds“ gehört damit in die Liga von Bestsellern wie dem Autofußballspiel „Rocket League“, „Stardew Valley“ oder „Minecraft“. Die Popularität erklärt sich in all diesen Fällen nicht allein aus einem genial-einfachen Spielprinzip, sondern schlichtweg durch die handwerkliche Ausführung und stete Weiterentwicklung.

Dem Erfolg zuträglich ist auch die Zuneigung von Youtubern und Twitch-Livestreamern. Das Entwicklerstudio hat diese Erkenntnis generalstabsmäßig genutzt, um Letsplayer ab einer bestimmten Reichweite damit zu locken, frühzeitig auf neue Versionen und Funktionen zugreifen zu dürfen.

Die Zukunft von PUBG sehen die Entwickler auch, aber nicht nur eSport, also in organisierten Turnieren und Ligen. Bislang eine Hürde: Im Gegensatz zu „Counter-Strike“, „Dota 2“ oder „League of Legends“ lauten die Duelle nicht „5 gegen 5“ – sondern eben: „1, 2 oder 4 gegen viele andere“. Neue Modi sollen daher dazu beitragen, das Spiel eSport-tauglicher zu machen. Hauptvorteil von PUBG, etwa gegenüber „FIFA“: Die Partien eignen sich auch prima zum Zuschauen und Analysieren.

Folgerichtig hat das PUBG Invitational-Turnier im Rahmen der Gamescom 2017 den Bekanntheitsgrad und die Verkaufszahlen nochmals befeuert. Seit der Kölner Messewoche hat Bluehole weitere zwei Millionen Spiele verkauft. Die Matches wurden unter anderem live auf Facebook, Twitch, Youtube und weiteren Plattformen übertragen. Profi-Clans wie Team Liquid und Luminosity unterhalten inzwischen eigene PUBG-Teams.

PUBG-Studio Bluehole: Multiplayer-Erfahrung dank „TERA“

Hinter „Playerunknown’s Battlegrounds“ steckt das südkoreanische Unternehmen Bluehole, das mit dem Free2play-Online-Rollenspiel „TERA“ (Europa-Vertrieb: Gameforge) bereits einschlägige Erfahrungen im Betrieb von Spielen dieser Größenordnung vorweisen kann. Das jüngst aufgekommene Gerücht, der chinesische Games-Weltmarktführer Tencent (Riot Games, Supercell) habe ein Übernahmeangebot für Bluehole abgegeben oder sich zumindest eingekauft, wurde von allen Beteiligten heftig dementiert – was erfahrungsgemäß nicht bedeutet, dass nicht doch etwas dran ist.

Die Unberechenbarkeit einer Partie soll auch künftig einen großen Teil des Reizes von PUBG ausmachen. Mit großer Sicherheit lässt sich aber vorhersagen, dass PUBG in den kommenden Monaten weitere Rekordmarken reißen wird – und damit in Konkurrenz tritt um das Zeitbudget jener Kundschaft, die auch Multiplayer-Neuheiten wie „Destiny 2“, „Call of Duty WWII“, „Ark: Survival Evolved“ oder „Star Wars: Battlefront 2“ entgegenfiebert.

Bei den etablierten Publishern wie Activision Blizzard wird man die PUBG-Zahlen also mit großer Aufmerksamkeit verfolgen. Einer der größten Activision-Aktionäre: Tencent.

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