Start Marketing & PR Harvest Life: Entwickler und Publisher geloben Besserung

Harvest Life: Entwickler und Publisher geloben Besserung

"Harvest Life" alias "Landwirt Tycoon" ist kurz vor Weihnachten 2017 erschienen.

Ein Lehrstück darüber, zu welchen Turbulenzen überstürzte Spiele-Veröffentlichungen führen können: Der Indie-Entwickler Bumblebee und der Darmstädter Publisher Rokapublish ziehen die Konsequenzen aus dem Steam-Fehlstart des Aufbauspiels „Landwirt Tycoon“ alias „Harvest Life“.

Bumblebee – zu deutsch: Hummel: So lautet der Name des Indie-Studios, das Tassilo Rau 2012 gegründet hat. Seitdem entwickelt er mit seinem Team PC-Spiele in der Nähe von Gummersbach. Spezialität des Hauses: Spiele im Pixel-Look, etwa das Geisterjäger-Rundestrategiespiel „GhostControl Inc.“ oder der Tower-Defense-Mix „Oh My Gore!“

Auf den letzten Drücker – kurz vor Weihnachten 2017 – wurde die Bumblebee-Neuheit „Harvest Life“ via Steam freigeschaltet. Das Bauernhof-Aufbauspiel sorgte für eine schöne Bescherung, allerdings nicht in dem Sinne, wie es das Bumblebee-Team und Publisher Rokapublish geplant hatten.

Denn „Harvest Life“ wurde verfrüht veröffentlicht, wie der Publisher einräumen muss. „Widrige Umstände“ hätten zu dieser Situation geführt. In der Konsequenz führte das dazu, dass die Spieler ihrem Unmut freien Lauf ließen: Reihenweise Negativ-Bewertungen und eine Rückgabequote von 30 Prozent in den ersten Tagen eskalierten in einem glatten Fehlstart.

Harvest Life: Rückgabe-Quote von 30 Prozent

Rokapublish-Geschäftsführer Robert Kaiser
Rokapublish-Geschäftsführer Robert Kaiser

Rokapublish lieferte die Spielepackungen samt Steam-Code an den Handel aus – und das zu einem Zeitpunkt, als die Entwicklung des Spiels noch in vollem Gange war. Der Schritt zurück – von „Vollversion“ auf „Early Access“ – war zu diesem späten Zeitpunkt nicht mehr möglich, weil die fertig produzierten, beigelegten und ausgelieferten Steam-Codes dadurch ungültig geworden wären.

Rückruf und Neuproduktion seien für die vergleichsweise kleinen Unternehmen nicht darstellbar gewesen. Nicht jeder Spielehersteller hat den Luxus und die Strahlkraft eines Rockstar Games, den Verkaufsstart um Monate, teils Jahre zu verschieben. Daher entschied sich das Team zu einem riskanten Augen-zu-und-durch-Manöver – mit den erwähnten Konsequenzen.

Rokapublish-Geschäftsführer Robert Kaiser bedauert, den Spielern falsche Versprechungen gemacht zu haben: „Hierfür möchten wir uns bei allen entschuldigen.“

Als das erste Feedback vorlag, schalteten Entwickler und Publisher in den Krisen-Modus und suchten den direkten Kontakt zu den enttäuschten Käufern. Seit dem Verkaufsstart sind gleich mehrere Updates erschienen, zwei weitere sollen bis April folgen. Mittlerweile ist der Anteil der Retouren deutlich zurückgegangen, die Bewertungen fallen nun erkennbar positiver aus.

“Es war uns zudem wichtig, mit unzufriedenen Spielern in den direkten Kontakt zu treten und ihnen gegenüber ehrlich zu sein,” sagt Kaiser, der sich mit seinem Unternehmen auf Gelegenheitsspiele im unteren und mittleren Preissegment spezialisiert hat. Rokapublish mit Sitz in Darmstadt arbeitet seit zehn Jahren mit Partnern wie Kalypso, Headup Games oder Koch Media zusammen.

Die Entwickler wollen in den nächsten Wochen weitere Updates für "Harvest Life" bereitstellen.
Die Entwickler wollen in den nächsten Wochen weitere Updates für „Harvest Life“ bereitstellen.

„Harvest Life“: Rokapublish zieht Konsequenzen aus Kunden-Feedback

Eine Vorgehensweise wie im vorliegenden Fall wäre zu früheren Zeiten im rein stationären Handel möglicherweise unter dem Deckel geblieben – im Zeitalter der Online-Bewertungen und -Kommentare und der Sozialen Netzwerke kommt ein Spielehersteller damit nicht mehr durch. Die „Macht“ auf Steam läge bei den Kunden, die ein Spiel weiterempfehlen – oder eben nicht.

Die gleichermaßen peinliche wie kostspielige Aktion hat Konsequenzen für den Geschäftsbetrieb bei Rokapublish – ähnliche Vorfälle sollen sich nicht wiederholen. Starre Veröffentlichungstermine und ein allzu großer Fokus aufs Saisongeschäft sind in der Prioritätenliste nach hinten gerückt. „Harvest Life“ habe gezeigt, dass es sich nicht auszahle, an einem bestimmten Termin festzuhalten, wenn das dazugehörige Spiel schlicht noch nicht fertig sei.

Der Publisher will der Betatest-Phase – auch unter Einbeziehung von Spielefans – und der Qualitätskontrolle mehr Aufmerksamkeit zukommen lassen. Dazu beitragen soll auch ein weiterer Producer, bei dem alle Fäden zusammenlaufen und der alle Prozesse der Entwicklung im Blick hat.

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