Was Sie vermutlich schon immer wissen wollten, sich aber sich nie zu fragen getraut haben: Was kostet eigentlich so ein Gamescom-Stand?

“Bei Bühnen ist darauf zu achten, dass keine harten Gegenstände in die Menschenmenge geworfen werden.” So steht es geschrieben in den Teilnahmebedingungen der Gamescom 2017, die jeder Aussteller mit seiner Anmeldung akzeptiert. Doch bis überhaupt Schlüsselanhänger, Caps und T-Shirts über den Köpfen der Gamescom-Besucher herabregnen können, ist es ein weiter – und kostspieliger – Weg.

Annähernd 200.000 Quadratmeter misst die Ausstellungs- und Event-Fläche der Gamescom, nahezu alle Hallen und Außenbereiche der KoelnMesse sind belegt – daran wird sich auch bei der diesjährigen Auflage des Mega-Events nichts ändern. Die Gamescom war, ist und bleibt eine der größten Messen in Deutschland, mit erheblich mehr Besuchern als etwa die Berliner Funkausstellung, die CeBIT in Hannover oder die Düsseldorfer Yachten-Schau Boot.

Der aktualisierte Gamescom-Terminplaner - jetzt inklusive SPOBIS Gaming & Media 2017 (Stand: 21.02.2017)
Der aktualisierte Gamescom-Terminplaner – jetzt inklusive SPOBIS Gaming & Media 2017 (Stand: 21.02.2017)

Für weite Teile der Games-Branche ist die Gamescom in Köln ein Pflichttermin: Kurz vor dem Start ins Weihnachtsgeschäft präsentieren kleine, große und sehr große Spielehersteller ihre Neuheiten. Manches wird nur in Form von Kino-Präsentationen und Trailern vorgeführt, die meisten Premieren sind allerdings anspielbar. Die Hartgesottenen unter den Gamescom-Fans nehmen drei, vier, fünf und mehr Stunden geduldigen Wartens in Kauf, um für zehn bis 15 Minuten zu Tastatur, Maus und Controller greifen zu können.

Gamescom 2017: So viel kostet ein Stand auf der weltgrößten Spiele-Messe

Um möglichst viele der etwa 350.000 Privat- und Fachbesucher zu beeindrucken, betreiben gerade die großen Publisher aus den USA, Frankreich und Japan alljährlich einen gigantischen Aufwand. Mancher Standaufbau erinnert mehr an einen Freizeitpark als an eine Spielemesse: Tropische Pirateninseln, Showbühnen samt Pyrotechnik und ganze Kampfjets werden in den Hallen aufgebaut – ein gigantischer logistischer Aufwand. Kein Wunder also, dass die Budgets der großen Anbieter im deutlich siebenstelligen Bereich liegen und damit einen erheblichen Teil der alljährlichen Marketing-Ausgaben ausmachen.

Damit die Messestände auch wirklich pünktlich zum Gamescom-Start am 22. August 2017 fertig sind, muss jedes Rädchen perfekt ins andere greifen. Der Aufbau startet deshalb bereits zehn Tage vorher, ab 12. August. Spätestens um Mitternacht des 28. August – nur zwei Tage nach Schließung der Messehallen – muss alles wieder abgebaut sein und besenrein an die Messegesellschaft übergeben werden.

Wie der Gamescom-Stand von Sony PlayStation entsteht, zeigt dieses beeindruckende Zeitraffer-Video:

Gamescom: Die größten Messestände 2016

Fast 900 Aussteller hat die KoelnMesse im vergangenen Jahr gezählt. Darunter finden sich neben den großen Publishern und Konsolenherstellern auch Hunderte kleiner Betriebe, vom Ein-Mann-Indie-Studio bis zum Fanartikel-Händler.

Die meisten großen Messestände in den Publikums-Hallen 6, 7, 8 und 9 haben eine quadratische oder rechteckige Grundform mit jeweils rund 1.000 Quadratmetern. Je nach Zahl der „Blöcke“ kommt man so auf 1.000, 2.000, 3.000 oder noch mehr Quadratmeter. Im Falle von Ubisoft (“Assassin’s Creed”, “Far Cry”) ergeben sich so zum Beispiel rund 2.500 Quadratmeter.

Deutlich kleinteiliger ist die doppelstöckige Halle 10, wo sich der Retro- und Cosplay-Bereich, Hardware-Hersteller, die Indie Booth Arena, verschiedene Funsports-Angebote, das Foodtruck-Areal und der „Gamescom Campus“ (Hochschulen, Verbände, Behörden) befinden.

Activision Blizzard und Sony teilten sich 2016 die komplette Halle 7. Abzüglich der Flure und der Catering-Bereiche ergeben sich bei diesen Ausstellern Netto-Flächen jenseits von 3.500 Quadratmetern. Den größten Gamescom-Stand in der größten Halle des Geländes belegt Electronic Arts: Der US-amerikanische Games-Riese („Battlefield“, „FIFA“, „Die Sims“) hat durch seine Kölner Deutschland-Zentrale ein Heimspiel. Das gesamte Areal umfasst eine Bruttofläche von mehr als 10.000 Quadratmetern, größer als ein Fußballplatz.

Stagnation auf hohem Niveau: Besucherzahlen und Fläche der Gamescom 2016 bleiben gegenüber 2015 konstant.
Stagnation auf hohem Niveau: Besucherzahlen und Fläche der Gamescom 2016 bleiben gegenüber 2015 konstant.

Die größten Messehallen auf dem Kölner Messegelände (alle Angaben gerundet):

  1. Halle 11: 47.000 qm (dreistöckig, nicht genutzt)
  2. Halle 10: 45.000 qm (zweistöckig)
  3. Halle 4: 28.000 qm (Business Area, zweistöckig)
  4. Halle 5: 24.000 qm (Fanshop-Area, zweistöckig)
  5. Halle 6: 21.000 qm (Entertainment Area, u. a. Electronic Arts, Ubisoft, Take 2)
  6. Halle 2: 19.000 qm (Business Area, zweistöckig)
  7. Halle 3: 17.000 qm (Business Area, zweistöckig)
  8. Halle 7: 17.000 qm (Entertainment Area, u. a. Activision Blizzard, Sony PlayStation)
  9. Halle 8: 17.000 qm (Entertainment Area, u. a. Microsoft, Bethesda)
  10. Halle 9: 14.000 qm (Entertainment Area, u. a. Square Enix, Nintendo)
  11. Halle 1: 8.500 (nicht genutzt)

Die größten Messestände in der Entertainment Area der Gamescom 2016:

  1. Electronic Arts (Halle 6)
  2. Activision Blizzard (Halle 7)
  3. Sony Interactive (Halle 7)
  4. Ubisoft (Halle 6)
  5. Microsoft (Halle 8)
  6. Take 2 (Halle 6)
  7. Square Enix (Halle 9)
  8. Wargaming Europe (Halle 8)
  9. Bethesda Softworks (Halle 8)
  10. Nintendo (Halle 9)

Gamescom 2017: Die Kosten für einen Messestand im Detail

Was kostet nun die Messeteilnahme konkret? Eine ganz grobe Idee über die Mindestkosten liefert der Standkostenkalkulator auf der Gamescom-Website. Der Quadratmeterpreis liegt netto zwischen 146 und 164 Euro (jeweils plus Steuer), je nach Lage. So ist ein sogenannter Reihenstand an der Hallenseite günstiger als ein „Blockstand“, der von vier Seiten zugänglich ist. Zusätzlich zum Flächentarif kommen verschiedene Gebühren oben drauf, zum Beispiel der Energiekosten-Anteil oder ein obligatorisches „Mediapaket“, das unter anderem den Eintrag in den Messekatalog umfasst.

Billigste Version: ein 12-Quadratmeter-Reihenstand ohne Standbau für ca. 2.600 Euro (plus Steuer).

Die selben 12 Quadratmeter, allerdings mit einem einfachen Komplettstand ohne jeden Schnickschnack, liegen bei rund 3.900 Euro (Quadratmeterpreis: ca. 256 Euro). Die Messegesellschaft bietet eine beachtliche Auswahl an Standbauten an – wie wär’s zum Beispiel mit dem Modell „Sydney“, das dank seiner Metalltraversen eine „bühnenreife Präsentation“ ermöglicht? Natürlich lässt sich der Standbau auch in Eigenregie über einen eigenen Messebauer bewerkstelligen.

Der Messestand von Electronic Arts gehört traditionell zu den größten auf dem Gamescom-Messegelände (Foto: Koelnmesse GmbH, Thomas Klerx)
Der Messestand von Electronic Arts gehört traditionell zu den größten auf dem Gamescom-Messegelände (Foto:
Koelnmesse GmbH, Thomas Klerx)

Gamescom-Stand: Die Tücken der Nebenkosten

Doch mit dem reinen „Grundstück“ ist es natürlich nicht getan. Zwar sinkt der reine Quadratmeterpreis mit zunehmender Fläche, doch je größer das Areal ausfällt, desto kostspieliger sind Standbau, Technik und Personal. Gamescom-Besucher erinnern sich sicherlich an die spektakulären LED-Leinwände von Wargaming.Net („World of Tanks“), die riesige Show-Bühne von Blizzard („World of Warcraft“) und die nachempfundene Nordschleife des Nürburgrings im „GT Sports“-Bereich von Sony PlayStation.

Die Liste der „Nebenkosten“ ist länger, als der Laie zunächst vermuten würde. Zu den typischen Faktoren gehören unter anderem:

  • Elektro- und Wasserinstallation (Steckdosen, Verteiler, Starkstrom…)
  • Dekoration und Bodenbeläge
  • Spielstationen, Leinwände, Konsolen, PCs und Monitore
  • Sound- und Lichtanlagen und Bühnentechnik
  • Wasser-, Absaug- und Druckluft-Installationen
  • Klimaanlagen für Trailer-Kinos
  • Abfallentsorgung und Standreinigung
  • Internet- und Telefonanschlüsse
  • Speditionen und Transport
  • Catering, also Verpflegung und Getränke fürs Team
  • Standbewachung und Security
  • Außenwerbeflächen
  • Außen-Stellplätze für LKWs und Kühlcontainer
  • Versicherungen
  • Feuerschutz
  • Mietmöbel, -Geräte, -Geschirr und -Pflanzen (Tische, Sessel, Kühlschränke…)
  • Gewinnspielpreise und Merchandising
  • Löhne und Gehälter für Standpersonal und Promotoren, die Spiele vorführen und Spielstationen „bewachen“
  • Reisekosten und Hotelzimmer für eigene Mitarbeiter
  • Gagen und Unterkunft für Moderatoren, Bühnengäste, Entwickler, VIPs
  • Gebühren für USK-Prüfung von Gamescom-Trailern und -Demos
  • … und Vieles mehr

5 Euro für einen 2-Kilo-Beutel Eiswürfel, 50 Euro für einen Miet-Feuerlöscher, 280 Euro für einen Restmüllcontainer, 300 Euro für eine Miet-Sitzgruppe, 100 Euro Mietgebühr für einen 3-Meter-Bambus: Die Kosten mögen im Einzelfall überschaubar sein, sie summieren sich aber im Laufe einer Gamescom-Woche auf enorme Beträge. Ein erheblicher Kostenblock entfällt allein auf das Standpersonal: Bei den großen Messeständen besteht das Team aus mehreren hundert Personen, vom Techniker bis zum Warteschlangen-Aufpasser.

Wegen der enormen Komplexität starten die Vorbereitungen für die Folge-Messe oft schon unmittelbar mit dem Ende einer Gamescom.

Gamescom: Business- und Publikumsmesse in einem

Zu den Besonderheiten der Gamescom gehört, dass es sich um eine Fach- UND Publikumsmesse handelt. Beide Bereiche sind strikt voneinander getrennt – einmal die Business Area (Halle 2, 4, 5), zum anderen die Entertainment Area (Hallen 6 bis 10). Nun könnte ein Aussteller auf die Idee kommen, sich den kostspieligen Aufbau im Privatbesucherbereich zu schenken. Um das zu unterbinden, gilt die Regelung, dass jeder Aussteller in der Business Area gleichzeitig auch in der Entertainment Area vertreten sein muss – es sei denn, er verkauft seine Produkte und Dienstleistungen nur an Händler oder Unternehmen. In diesem Fall wird allerdings eine Art Strafzuschlag fällig. Außerdem darf der Stand in der Business Area maximal eineinhalb Mal so groß sein wie die Fläche in der Entertainment Area. Und so kommt es, dass die meisten Aussteller gleich zwei Stände beachtlicher Größe bespielen müssen – parallel.

Für den Business-Area-Auftritt gibt es mehrere Möglichkeiten: So kann man seine Zelte im Rahmen eines der vielen Gemeinschaftsstände aufschlagen, sich als „Untermieter“ bei einem anderen Aussteller einkaufen oder aber einen eigenen Stand mit minimum 12 Quadratmetern bauen, der mit 2.000 Euro aufwärts (ohne Standbau!) zu Buche schlägt. Hochschulen, Universitäten und Bildungseinrichtungen profitieren von günstigeren Tarifen.

Netto-Listenpreis 39.000 Euro - so viel kostet das Bekleben der Treppenstufen am Eingang Süd der Gamescom (Foto: GamesWirtschaft)
Netto-Listenpreis 39.000 Euro – so viel kostet das Bekleben der Treppenstufen am Eingang Süd der Gamescom (Foto: GamesWirtschaft)

Die teuersten Werbeflächen auf der Gamescom

Jeder Gamescom-Besucher kennt die gigantischen Werbebanner, die zum Beispiel entlang des Eingang Nord für Spiele und Messestände trommeln. Die Werbebotschaften erreichen nicht nur das Publikum der Gamescom, sondern werden darüber hinaus von Besuchern in sozialen Netzwerken sowie von TV-Kameras und Fotografen zigtausendfach verbreitet – und das weltweit. An markanten Orten entlang der Hauptverkehrsstraßen sind die Motive mit bis zu 300 Quadratmetern für Auto- und Bahnfahrer nicht zu übersehen.

Doch was kosten diese Banner eigentlich? Die Werbemittel an den Eingängen und entlang des zentralen Boulevards sind in der Regel am kostspieligsten, weil hier jeder Besucher zwangsläufig und mehrfach “durch” muss. Das 250 Quadratmeter große Banner über dem Service Center Nord – in der Mitte des Boulevards – ist deshalb eine der teuersten Werbeflächen im Innenbereich. Getoppt wird dies nur durch das XXL-Banner an einer Hochhauswand bei der Zoobrücke, einem der Hauptzufahrtswege zur Gamescom – ebenfalls unübersehbar. Ein Eyecatcher sind zudem die bedruckten Treppenstufen am Eingang Süd, also direkt am Bahnhof Köln/Deutz.

Für die Fensterfläche am Eingang Süd berechnet die KoelnMesse netto über 35.000 Euro (Foto: KoelnMesse)
Für die Fensterfläche am Eingang Süd berechnet die KoelnMesse netto über 35.000 Euro (Foto: KoelnMesse)

Hier die Top 10 der Werbeflächen (Netto-Listenpreise, jeweils zzgl. Steuer):

  1. Banner Zoobrücke / Eingang Süd (17×17 Meter) … ca. 45.000 Euro
  2. Banner über Service Center Nord (50×5 Meter) … ca. 40.800 Euro
  3. Treppenaufgang Eingang Süd … ca. 39.000 Euro
  4. Banner über Kassenbereich (25×7 Meter) / Eingang Süd … ca. 33.000 Euro
  5. Fensterfläche (ca. 140 qm) / Eingang Süd … 35.500 Euro
  6. Passage entlang Eingang Süd (28×4 Meter) … ca. 21.200 Euro
  7. Wandfläche Eingang Süd … ca. 16.000 Euro
  8. Pfeiler am Eingang Nord (5 Stück) … ca. 13.200 Euro
  9. Doppelseitiges Banner Eingang Süd (8×4 Meter) … ca. 11.400 Euro
  10. Werbebanner am Eingang Ost (10×7 Meter) … ca. 10.800 Euro

Überraschend günstig sind hingegen die 6×6 Meter großen Banner über dem Eingang Nord: Die einzelnen Segmente sind schon für knapp 5.500 Euro zu haben. Auch die Banner, die entlang des Boulevards hängen, bekommt man schon für unter 5.000 Euro. Prinzipiell gilt: Es gibt fast nichts, was sich nicht bekleben oder bedrucken ließe – selbst die Eingangssperren (dort, wo die Besucher ihr Ticket unter den Scanner halten) werden für knapp 4.000 Euro angeboten.

Jedes der Textilbanner über dem Eingang Nord schlägt mit netto 5.500 Euro zu Buche (Foto: KoelnMesse)
Jedes der Textilbanner über dem Eingang Nord schlägt mit netto 5.500 Euro zu Buche (Foto: KoelnMesse)

Weitere Informationen rund um die Gamescom 2017 finden Sie in den folgenden Beiträgen:

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